Projektarbeit und Workshops

Nicht das Ergebnis zählt, sondern der Weg dorthin

Projektarbeit

„Den wichtigsten Anstoß zum Arbeiten in Projekten in Kindertagesstätten“ gibt der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan mit dem zugrunde liegenden Bildungsverständnis. Unter anderem wird gefordert, „Lernsituationen für Kinder noch handlungsorientierter“ zu gestalten. „Die eigenständige Entwicklung der ganzen Persönlichkeit des Kindes zu fördern“, ist dabei das wichtigste Ziel. Dies kann gelingen, wenn Kinder umfassend in ihren Wahrnehmungen, Antrieben, Interessen und Fragen angesprochen werden und Anregungen erhalten, diesen tatsächlich nachzugeben. (KH, S. 18, 9/10)

Elementare Bildung wird heute verstanden (KH, S. 18, 9/10)

  • „als Anregung aller Kräfte“: „Alle Kräfte müssen in diesen Bildungsprozess einbezogen werden, nicht nur die kognitiven, sondern auch die sozialen, emotionalen, ästhetischen“, usw; dabei geht es um Anregung, nicht um Zwang oder Vorschrift
  • „als Aneignung von Welt: Aneignung ist dabei ein aktiver, subjektiver Prozess, bei dem das Fremde und Unbekannte in Eigenes verwandelt wird“
  • „als Entfaltung der Persönlichkeit: Eigene Potentiale sollen bei diesem Prozess entwickelt werden und Individualität herausbilden.“

Projektarbeit gewinnt auch an Bedeutung, da in unserer globalisierten Welt Kommunikation, Kreativität und Kooperation zunehmend gefragt sind.
Dies fordert von uns als pädagogische Fachkräfte, viele Gelegenheiten zu ermöglichen, bei denen die Kinder (KH, 9/10)

  • ihre eigenen Interessen, Stärken und Ziele einbringen können,
  • lernen, sich mit anderen auszutauschen und zu vernetzen,
  • lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen,
  • gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen,
  • üben, Situationen mit zu gestalten,
  • wissen, wie Informationen eingeholt werden können.

Das pädagogische Personal greift bei der Themenfindung aber nicht nur bedeutende Situationen, Wünsche, wiederkehrende Spielhandlungen, Erzählungen, Fragen, Gefühlsäußerungen und Verhaltensweisen von den Kindern auf, sondern bringt die Kinder auch mit Themen in Berührung, die wir aus unserer Sicht für sie als wichtig erachten. Dies tun wir, da sonst viele Bildungsthemen ausgespart bleiben würden, weil sie nicht in der Erfahrungswelt der Kinder liegen (Bsp. fremde Kulturen, Länder, Technik).
„Bleiben die Pädagoginnen dabei stehen, die Themen aufzugreifen, die Kinder aus ihrer eigenen Erfahrungswelt mitbringen oder sie dort aus eigener Kraft entwickelt haben, dann bleibt vieles ausgespart, was Bildungsherausforderung sein und die Neugier und den Forschergeist der Kinder wecken kann. Auch wäre die Chance vertan, den Kindern Bereiche unserer Kultur zu eröffnen, denen sie in ihrer häuslichen Umgebung und ihrem Freundeskreis vielleicht nicht begegnen. Dabei liegt die besondere Kunst darin, die Balance zu halten zwischen den Erziehungsanliegen der Erwachsenen und den Themen der Kinder.“ (Laewen/Anders: Forscher, Künstler, Konstrukteure, S. 127)

Bevor ein neues Projekt überhaupt beginnen kann, ist es wichtig, die Interessen der Kinder genau zu beobachten und zu erfragen. Dies erfordert eine gute Beobachtungsgabe vom pädagogischen Personal und das Einlassen auf die Ideen der Kinder.
In der Delfingruppe werden zu Beginn eines Projekts die Ideen der Kinder schriftlich festgehalten und für alle Kinder in Wort, Bild oder mit einem Gegenstand sichtbar dargestellt. So können alle jederzeit „nach-lesen“, was zur Wahl steht. Für die Ideensammlung eignen sich Fragen wie: “Was interessiert euch an dem Thema? Was wisst ihr schon über das Thema? Was möchtet ihr gerne tun? Welche Ideen oder „Forschungsfragen“ sollen wir verfolgen?“ Im Anschluss daran erfolgt die Abstimmung in der Gruppe. Jedes Kind und jeder Erwachsene hat eine Stimme und muss sich für eine Idee entscheiden. Die Abstimmung erfolgt mit Hilfe von Farbchips, die den entsprechend den Bildern zugeordnet werden. So erleben die Kinder, dass ihre Stimme wichtig ist und sie sich für eine Sache entscheiden müssen.

Anschließend werden je nach Interesse Klein- oder Großgruppen gebildet, die sich einzelnen Themenbereichen widmen. Kein Kind muss sich dabei einer bestimmten Gruppe zuordnen, sondern kann nach Beendigung eines Angebots zur nächsten wechseln. Bei dieser Form der Gruppenarbeit können sich Kinder unterschiedlichen Alters oder mit unterschiedlichen Fähigkeiten auf ihre je eigene Weise mit dem Thema auseinandersetzen und Erfolgserlebnisse haben. Dabei arbeiten wir häufig gruppenübergreifend zusammen und versuchen möglichst alle Altersstufen von 1 bis 10 Jahren in ein Projektthema mit einzubeziehen.

Wir teilen die Kinder auch in verschiedene Altersgruppen ein und können so, z. B. auf Vorschul- und Schulkinder und ihre höheren Anforderungen gezielt eingehen. Somit ist zum größten Teil auch die Vorbereitung auf die Schule in die Projektarbeit miteingebunden und läuft nicht isoliert daneben.

Während des Verlaufs eines Projekts orientieren wir uns an den Interessen der Kinder, was sehr flexibles Handeln erfordert. Auch vorbereitete Beschäftigungen können so einen anderen Ausgang finden. Bei der Projektgestaltung achten wir auf das Kennenlernen unterschiedlicher Methoden.

Im Verlauf eines Projekts beobachtet das pädagogische Personal die Kinder, regt den Dialog an und motiviert sie, aktiv eigene Erfahrungen, Vorstellungen und neue Aktivitäten einzubringen. Zudem unterstützen wir die Kinder durch die Bereitstellung von Informationsmaterial, beziehen Experten sowie Eltern und Großeltern mit ein. Ebenso unternehmen wir Ausflüge, Museumsbesuche, Besichtigungen usw., die prägende Eindrücke hinterlassen und den Erfahrungshorizont der Kinder erweitern.

Soweit wie möglich dokumentieren wir den Projektverlauf durch Aushänge, Bilder, Fotos, Aussagen der Kinder, Portfolios und Bilderbücher auf Projektwänden, oder laden die Familien zu kleineren und größeren „Fest-Präsentationen“ ein. Kinder sind sehr stolz auf das, was sie geleistet haben und möchten auch entsprechend gewürdigt werden. Eine kurze Reflexion schließt ein Projekt immer ab, wobei die Dauer einer Projektzeit unterschiedlich lang sein kann.

Zusammenfassend lässt sich Projektarbeit als das selbstständige Bearbeiten einer Aufgabe, eines Themas oder Problems durch eine Gruppe – angefangen von der Planung über die Durchführung bis hin zur Präsentation der Ergebnisse definieren. Übertragen auf den Kindergarten bedeutet dies, dass Kinder im gemeinsamen Prozess mit Erzieherinnen, Eltern, Experten… Fragen entwickeln, Lösungswege suchen und neue Erkenntnisse gewinnen. Die Grundlage für diese Lernform bildet ein demokratisches Verständnis von pädagogischer Arbeit. Der Ausgangspunkt für Projekte ist i. d. R. eine Thematik, die die Beteiligten besonders beschäftigt. Von Bedeutung sind dabei in erster Linie der Prozess und weniger das Produkt bzw. das Ergebnis.

Workshops

Von Oktober bis Juni bieten wir sechs bis acht Workshops für die Kindergartenkinder an. Jeder dieser Workshops erstreckt sich über einen Monat und findet immer am Dienstag- und Donnerstagnachmittag von 13.30 – 14.30 Uhr statt. Teilnehmen können jeweils sechs bis zweölf Kinder verschiedener Altersstufen. Die Anzahl und das Alter der teilnehmenden Kinder legt das Personal in Abstimmung auf das Thema fest. Die Themen selbst werden zu Beginn des Kindergartenjahres von uns ausgewählt, wobei alle Bildungsbereiche abwechselnd berücksichtigt werden.
Ende September versammeln wir alle Kindergartenkinder im Turnsaal und stellen die einzelnen Workshops vor. Anschließend dürfen sich die 3,5-jährigen Kinder einen Workshop und die älteren zwei Workshops aussuchen.

Lieber Alt-Bürgermeister Wolfgang!

Vielen lieben Dank für alles!!