Emotionale und soziale Kompetenzen

Im Kontakt untereinander oder mit Bezugspersonen entwickeln die Kinder die Fähigkeit, sich als Person zu erleben, ihre Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und auszudrücken. Damit das Kind ein positives Selbstbild und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln kann, braucht es Bedingungen unter denen es Wertschätzung erfährt und Kompetenz- und Autonomieerfahrungen machen kann.

Das Kind erlebt sich immer stärker als eine Person mit eigenen Gefühlen und eigenem Willen und entwickelt meist im Alter zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat sein „Ich“. Dieses Streben nach Autonomie mündet in die sogenannte „Trotzphase“, die normalerweise gegen Ende des zweiten Lebensjahres beginnt und meist im Laufe des vierten Lebensjahres abklingt.
Das Kind erprobt nun zielbewusst, wann und wozu der eigene Wille nützt. Deshalb versucht es, gegen alle Widerstände aggressiv anzugehen, um zu erfahren, wann es seinen Willen durchsetzen kann und wann sich unüberwindbare Grenzen bieten. Die Trotzphase ist wichtig, weil danach die Spielregeln klarer sind; sie verlangt jedoch hohe erzieherische Fähigkeiten. Es provoziert Reaktionen, um seinen Handlungsspielraum auszuloten und soziale Orientierungshilfen zu erhalten. Wie weit kann ich mit meinen Verhalten gehen, was kann ich mir ungestraft herausnehmen, wo muss ich mich zurücknehmen? Denn das genau muss es wissen.
Hier ist das Setzen konsequenter, aber einsichtiger Normen und Grenzen wichtig und ein klares „Nein“ oder „Ja“ von Seiten der Erwachsenen notwendig.
Ein Erziehungsstil, der von Wertschätzung, Respekt und Akzeptanz gegenüber dem Kind und von Sicherheit im Erziehungsverhalten geprägt ist, zeigt hier die größten Erfolge.
Wir beobachten daher aufmerksam das Verhalten des Kindes, schreiten gegebenenfalls ein und bringen klar zum Ausdruck, welches Verhalten wir vom Kind erwarten.

In dieser Zeit neigt es auch stark zur Eifersucht, wenn ihm die Aufmerksamkeit der Mutter oder des Vaters nicht ungeteilt gilt. Manche Verhaltensweisen erscheinen sogar egoistisch, stellen jedoch ein ganz normales Entwicklungsstadium dar und dürfen nicht negativ bewertet werden.
Ein wichtiger Schritt beim Erwerb von emotionaler Kompetenz ist, dass das Kind lernt mit Hindernissen, negativen Gefühlen und altersgemäßen Enttäuschungen umzugehen.
Häufig scheint beispielsweise das gemeinsame Spielen im Wesentlichen darin zu bestehen, dass sich die Kinder gegenseitig die Spielsachen wegnehmen. Sie können eben noch nicht teilen. Hier sind einfühlsame Reaktionen der Bezugspersonen erforderlich. Wir möchten den Kindern zeigen, dass wir sie akzeptieren und gerne mit ihnen zusammen sind, aber nicht jedes Verhalten tolerieren. Die Kinder sollen lernen, Rücksicht zu nehmen, gewinnen, aber auch verlieren zu können. Grenzen sehen wir als Sicherheit vermittelnde Leitplanken für unser Tun und Lassen. Grenzen fordern aber auch heraus, bieten Reibungsfläche. Fehlen sie, fehlen Halt und Orientierung sowie die Möglichkeit, sich mit dem Gegenüber aktiv auseinander zu setzen, zu verhandeln und Kompromisse einzugehen.

Wichtig ist, dass Kinder nicht nur lernen, mit Grenzen umzugehen und sie zu akzeptieren, sondern sie auch selber zu setzen und „Nein“ zu sagen. Gerade in unserer Kleinkindgruppe erhalten die Kinder einen geschützten Rahmen um Reaktionen und Konsequenzen auf ihr Verhalten zu erleben und die Erfahrung zu machen, für das eigene Handeln verantwortlich zu sein.

Konflikte unter den Kindern sollen entsprechend ihrem Alter möglichst untereinander gelöst werden. Wir sehen uns in einer erstmals beobachtenden Rolle. Brauchen die Kinder Unterstützung, versuchen wir gemeinsam mit ihnen eine Lösung zu finden. Der Vorbildfunktion wird auch hier große Bedeutung zugemessen. Wir müssen ihnen vorleben, dass es Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten geben kann und wir diese mit Worten zu lösen versuchen.

Lieber Alt-Bürgermeister Wolfgang!

Vielen lieben Dank für alles!!