Bildungsbereich Sprache

Die Sprachentwicklung und -erziehung in der Kleinkindbetreuung

Ein weiterhin wichtiger Faktor in der Gesamtentwicklung des Kindes ist der Spracherwerb. Wir unterstützen und fördern diese Entwicklung von Beginn an bis ins Schulalter durch die tägliche intensive Arbeit mit dem einzelnen Kind oder in Gruppensituationen.

Die Anfänge
Das Schreien, als Ausdrucksmöglichkeit von Bedürfnissen und Gefühlslagen, differenziert sich in den ersten Lebensmonaten immer mehr, sodass die Bezugspersonen verschiedene Ursachen heraushören können: Hunger, Schmerzen, Wunsch nach Kontakt, Ärger,…. Darüber hinaus lässt sich beobachten, dass der Säugling bestimmte mütterliche Signale, z.B. Laute oder Gesichtsausdrücke zu imitieren versucht. Im Alter von sechs Wochen produzieren Kinder die ersten Grund- und Gurrlaute, auf die die Mutter wiederum antwortet, dies ist die erste Form der Kommunikation.

Erstes Lebensjahr
Kinder entdecken im ersten Lebensjahr, dass Sprache ein Werkzeug zur Kommunikation ist und setzen bewusst Mimik, Gestik, Körpersprache sowie die Stimmlage zur Verständigung ein. Sie lernen in den ersten 15 Lebensmonaten intuitiv die wesentlichen Elemente der menschlichen Kommunikation kennen: Es gibt einen Sender von Nachrichten und einen Empfänger, der sie entschlüsseln muss. Es gibt eine Botschaft und Sprache ist das Werkzeug, diese zu übermitteln.
Heute ist bekannt, dass Kinder, die häufig die sprachliche Kommunikation als angenehm und effektiv erlebt haben, auch mehr sprechen.

Zweites und drittes Lebensjahr
Wenn Kleinstkinder nach den ersten langsamen Anfängen mit ungefähr 18 Monaten die 50-Wort-Grenze erreichen, befinden sie sich an einem entwicklungskritischen Punkt. Ab jetzt können sie sehr schnell viele neue Wörter lernen. Sie entdecken, dass jedes Ding seinen eigenen Namen besitzt, und nehmen neue Begriffe begierig auf. Da sie bei neuen Wörtern nicht wissen können, auf welchen Teil des Objekts oder auf welche Eigenschaft sie sich beziehen, folgen sie einer angeborenen Lernstrategie, nach der das neue Wort immer erst einmal fürs Ganze steht, bis weitere Informationen dazukommen. So kann sich das Wort „Hund“ z. B. auf alle Tiere, die vier Beine und einen Schwanz haben, beziehen. Andere Kinderworte wie das Wort „Aua“ stehen in dieser Phase nicht nur für Schmerz, sondern für einen gesamten Komplex an Bedürfnissen, Bedeutungen, Erfahrungen, Erlebnissen und kommunikativen Absichten, die das Kind mit dieser Situation verbindet. Täglich kommen neue Worte hinzu und es erlebt im zweiten Lebensjahr normalerweise eine regelrechte Wortexplosion, mit der die Schwelle für den Grammatikerwerb erreicht wird.
Zweijährige haben nicht nur ein Verständnis von Ein- und Mehrzahl, sie beginnen auch Kategorien zu bilden, indem sie Zuordnungen aufgrund bestimmter Eigenschaften vornehmen. So gehören sie selbst sowie ihre Geschwister zur Kategorie „Kinder“.
Kinder, die im Alter von 24 Monaten noch keine 50 Wörter beherrschen, werden als „late talkers“ bezeichnet und brauchen therapeutische Hilfe, falls sie diese Entwicklungsverzögerung nicht bis zu einem Alter von drei bis vier Jahren aufgeholt und den Sprachentwicklungsstand Gleichaltriger erreicht haben. Dann spricht man nicht mehr von einer anfänglichen Verzögerung der Wortschatzentwicklung, sondern von einer Störung der Sprachentwicklung.
Im Alter zwischen 27 und 31 Monaten beginnen die Kinder immer häufiger Verben und Adverbien zu verwenden. Sobald Kinder die Bedeutung von Satzmustern erkannt haben, können sie auch abstrakte Inhalte ausdrücken. 90 Prozent der Zweieinhalbjährigen sind mit ihrem Sprachverständnis schon so weit, dass sie Doppelaufträge erfüllen können und beginnen, sich mit anderen Kindern zu unterhalten.
Während einige Kinder gegen Ende des dritten Lebensjahres bereits recht gut in zusammenhängenden Sätzen sprechen können, sind andere nicht einmal in der Lage, Zweiwortsätze zu bilden. Die Bezugspersonen müssen die Signale sprachlicher Langsamentwickler möglichst genau entschlüsseln, damit Bedürfnisse trotzdem befriedigt werden können. Dies kann gerade in der Phase der voranschreitenden Ich-Entwicklung (Trotz-Phase), wenn das Kind merkt, dass es sich noch nicht eindeutig äußern kann, vermehrt zu Wutausbrüchen führen.
Auffallend ist in dieser Zeit die beginnende Freude an Reimen und am Geschichtenerzählen.

Bildungsarbeit mit den Jüngsten – Die Sprachförderung in unserer Einrichtung

Sprache ist die wichtigste Grundlage der Kommunikation mit anderen Menschen und entwickelt sich durch die Qualität der Beziehung. Durch die zunehmende Fähigkeit sich verbal auszudrücken wird das Kind unabhängiger und selbstbewusster. Durch Sprache kann es seine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen, Bedeutungen vermitteln, sein Tun begründen, Erlebnisse verarbeiten, Erfahrungen austauschen, Wünsche und Bedürfnisse mitteilen, Zusammenhänge verstehen und Handlungen planen. Zugleich ist sie zwingende Voraussetzung für das gesellschaftliche Miteinander der Menschen. Die Entwicklung und Pflege der kindlichen Sprachkompetenzen nimmt daher schon in der Kleinkindbetreuung eine wichtige Rolle ein, ist eine zentrale Aufgabe unserer Arbeit und nimmt sehr viel Raum im Tagesablauf ein. Sie findet nicht gesondert statt, sondern ergibt sich im alltäglichen Miteinander. So sind der täglich wiederkehrende Sing- und Spielkreis ebenso wie das wöchentliche Singen und Erleben neuer Lieder mit den Kindergartenkindern, wichtige Rituale geworden.

Gerade im Kleinkindalter vermitteln wir den Kindern Freude und Spaß an der Sprache, an der Kommunikation, denn Sprechen lernen erfolgt über die Kommunikation mit anderen Menschen. Deshalb schaffen wir immer wieder solche reizvollen Sprechanlässe, sei es beim Spielen am Tisch, bei Kreis-, Sing- oder Rollenspielen, beim Wickeln oder Händewaschen, beim Singen, beim Betrachten von Bilderbüchern, beim Sprechen von Versen und Abzählreimen, bei Kniereiter- oder Fingerspielen, beim Grimassen schneiden oder bei Pustespielen mit Federn und Watte, beim freien Erzählen oder beim Begrüßen und Verabschieden. Über die Wiederholung prägt sich das Kind die sprachlichen Strukturen ein, wie z.B. Satzbau, Gebrauch von Begriffen, Einzahl- und Mehrzahlbildung, Bildung von Wortanfängen und –endungen, Gebrauch der verschiedenen Wortarten.
Wir lassen dem Kind auch Zeit und Raum sich auf seine Weise auszudrücken und seine Meinung darzulegen. Wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst und verhalten uns dementsprechend. Wir unterstützen es auch, indem wir langsam und deutlich in vollständigen Sätzen sprechen, kindgerechte Erklärungen geben, nicht verniedlichen, „falsch“ Ausgesprochenes selbst richtig wiederholen und „offene“ Fragen stellen. (siehe auch Punkt „Unser Sprachkonzept“)

Lieber Alt-Bürgermeister Wolfgang!

Vielen lieben Dank für alles!!