Die Sauberkeitserziehung

Das Wickeln eines Kindes ist eine wichtige pädagogische Aufgabe, denn hierbei geht es nämlich nicht allein um das Säubern eines Kindes. Die Erzieherin hat Gelegenheit, sich jedem einzelnen Kind zuzuwenden, mit ihm zu sprechen, seine Befindlichkeit zu beobachten, Reaktionen und Vorlieben zu beachten, diese mit Worten zu begleiten und darauf einzugehen. Das Wickeln ist somit eine Zeit der ungeteilten Aufmerksamkeit zwischen Erzieherin und Kind – eine Aufmerksamkeit, die zum Aufbau und zur Festigung der gegenseitigen Beziehung beiträgt. Besonders wichtig erscheint es uns in dieser sehr intimen Situation, eine vertrauensvolle Atmosphäre von Wärme und Geborgenheit zu schaffen, so dass sich jedes Kind mit seiner individuellen Persönlichkeit angenommen und verstanden fühlt.

Gerade in der Eingewöhnungszeit achten wir darauf, dass das Wickeln und die gesamte Sauberkeitserziehung von einer vertrauten Person übernommen wird. Nach Abschluss der Eingewöhnungszeit kann der Kreis der zuständigen Erwachsenen erweitert werden.

Neben der persönlichen Gestaltung der Pflegesituation braucht diese auch einen angemessenen Rahmen. Der Wickelplatz befindet sich in einem separaten Raum, mit angenehmer Raumtemperatur, freundlicher Beleuchtung und Ausstattung.
Zur Verfügung stehen Töpfchen, Kindertoilette und ein geräumiger Wickeltisch mit integrierter Treppe. So können die Kinder je nach Entwicklungsstand „Sauber werden“.
In der Kleinkindgruppe unterstützen wir zusätzlich die Sauberkeitserziehung spielerisch durch entsprechende Bilderbücher und Puppen und, falls von den Kindern gewünscht, durch gemeinsame Toilettengänge.

Besonders im Bereich der Sauberkeitserziehung ist es wichtig, den Entwicklungsstand des einzelnen Kindes zu berücksichtigen und die Gestaltung des Tagesablaufes entsprechend auszurichten, denn das Bedürfnis, sauber und trocken zu werden, entwickelt sich in dem Maße, wie die dafür erforderlichen Fähigkeiten heranreifen:
Das Kind muss das Druckgefühl in den Ausscheidungsorganen wahrnehmen können, die Zusammenhänge zwischen dieser Wahrnehmung und der Darmentleerung begreifen lernen und den Schließmuskel unter Kontrolle bringen. Diese Kontrolle ist zuallererst das Ergebnis eines Reifungsvorgangs, dessen Ablauf und Geschwindigkeit bei jedem Kind ganz individuell ist. Dieser Reifungsprozess wird vom Nervensystem gesteuert und kann von außen nicht beeinflusst werden.

Die meisten Kinder zeigen im Alter zwischen 18 und 30 Monaten durch entsprechende Initiativen an, dass mit der Sauberkeitsgewöhnung begonnen werden kann. Die Fähigkeit, Blase und Darm zu kontrollieren, hat ein Kind in der Regel erst mit 26 Monaten. Auch das Unterbrechen des Spiels für einen Toilettengang und das Verschieben von Handlungen auf einen späteren Zeitpunkt, sind große Entwicklungsschritte, die sich erst im Laufe des dritten Lebensjahres entwickeln.

Selbst in unserer Kleinkindgruppe gibt es „Kleine“ und „Große“. Oft begleiten jüngere Kinder mit Begeisterung ein älteres Kind beim Toilettengang, lauschen gespannt den Geräuschen und beobachten genau die Vorgehensweisen. Eine einfühlsame Reaktion unsererseits unterstützt das Vertrauen der Kinder und ermutigt sie, sich offen mitzuteilen und frei zu bewegen, um ihrem Entdeckerdrang zu folgen. Mit Ruhe, viel Zeit und Geduld begleiten wir die Kinder in dieser wichtigen Phase ihrer Entwicklung.

Ganz wichtig ist hier noch anzumerken, dass die Sauberkeitserziehung von uns in der Kindertageseinrichtung nicht alleine bewältigt werden kann, sondern nur unterstützend und begleitend zur Erziehungstätigkeit der Eltern. Hier ist ein intensiver Kontakt zwischen Erzieherin und Eltern gefordert, der dem Kind die nötige Sicherheit vermittelt und so eine Basis schafft, in der es sich ganz individuell und selbstständig entwickeln kann.

Lieber Alt-Bürgermeister Wolfgang!

Vielen lieben Dank für alles!!